Münchner Finance Forum e.V.
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Am 11. September 2017 veranstaltete der Münchner Finance Forum e.V. seine 13. Jahrestagung im AudiMax der TU München. Das Tagungsthema lautete „Renditeproduktion und Risikomanagement in einem anspruchsvollen Umfeld“. Trotz Schulferien in Bayern nahmen sich 409 Gäste Zeit für die Veranstaltung und diskutierten mit fünf Referenten.

Den ersten Vortrag hielt Dr. Thomas Hartmann, Geschäftsführer der GBW GmbH, zum Thema „Wohnimmobilien als Asset Klasse“. Wohnraum als Produkt unterscheidet sich von anderen Produkten dahingehend, dass der Kunde zum Produkt kommen muss. Deswegen ist die Demographie ein entscheidender Werttreiber für die Nachfrage. In Deutschland gibt es große Migrationsbewegungen zwischen Ost und West sowie zwischen Land und Stadt. Hinzu kommt ein steigender Wohnflächenkonsum durch den Trend zu mehr Single-Haushalten. Die Eurokrise hat seit 2009 ca. 1 Million Migranten aus Europa gebracht, für die früher kein Wohnraum geplant wurde. Außerdem haben gestiegene Auflagen dazu geführt, dass bis 2009 immer weniger Wohnungen genehmigt wurden. Heute werden deutschlandweit weniger Wohnungen genehmigt, als alleine in Berlin benötigt würden. Es ist außerdem nicht sicher, ob steigende Zinsen die Nachfrage reduzieren. Knapp 80% aller Wohnungen gehören Privatpersonen. 43% davon sind Selbstnutzer, weitere 37% der Wohnungen werden als Investition gekauft. Professionelle Anbieter sind in der Minderheit. Weil viele Privatpersonen Immobilien über langfristige Kredite erwerben, haben sie einen impliziten Schutz vor steigenden Zinsen, weil sie die Cashflows fixiert haben. Außerdem messen Privatpersonen Immobilien emotionale Werte hinzu, weswegen Preise bei Zinssteigerungen nicht zwingend fallen müssen. Zudem verändert sich durch die Digitalisierung das Produkt Immobilie stark, was für gewerbliche Anbieter neue Umsatzmöglichkeiten bringt.

Anschließend präsentierte Prof. Dr. Manfred Schwaiger, Lehrstuhlinhaber am Institut für Marktorientierte Unternehmensfühhrung der LMU München, zum Thema „Corporate Reputation, Financial Performance und Corporate Risk“. Er zeigte auf, dass der Anteil von „Intangible Assets“ beim Marktwert von Aktien seit 1980 stark gestiegen ist. Der Buchwert wird bei der Bewertung relativ gesehen kleiner. Die Differenz kann als Reputation interpretiert werden. Über Umfragen, die sein Institut regelmäßig durch Marktforschungsunternehmen bei allen Stakeholdern eines Unternehmens durchführen lässt, kann ein Reputationswert ermittelt werden. Dieser Reputationswert kann in Asset Pricing Modellen wie etwa dem von Fama/French (1993) als weitere Variable verwendet werden. Hierdurch kann Reputation im Anlageprozess quantitativ berücksichtigt werden. Anhand von Beispielrechnungen zeigte Herr Prof. Schwaiger, dass ein Portfolio aus den Reputationsführern (Top25%) den DAX-Index in einem 5-Jahreszeitraum um 28% geschlagen hat.

Den dritten Vortrag hielt Dr. Claus Stickler, CEO der Allianz Investment Management SE, über „Investmentmanagement im globalen Kontext“. Die AIM SE verwaltet mit 500 Experten in 6 regionalen Hubs 650 Mrd. EUR Eigenmittel der Allianz sowie 120 Mrd. EUR aus fondsgebundenen Lebensversicherungen. Herr Dr. Stickler zeigte die globale Matrix-Organisation der Allianz, die für die gesamte Wertschöpfungskette von Asset Liability Management, über Investment Strategie, Manager Selection bzw. Asset Management bis hin zum Investment Monitoring einen klaren Prozess vorgibt. Bei einem Portfolio dieser Größenordnung sind saubere Analysen und eine konsistente Implementierung unerlässlich. Dabei gibt es oftmals Zielkonflikte zwischen Regionen und Funktionen, die stets mit Blick auf den Kundennutzen aufgelöst werden müssen. Aufgrund der Niedrigzinsen und der starken Regulierung entsteht ein starker Kostendruck, der zu einem Pooling von Services auch über Unternehmensgrenzen hinweg führt. Sämtliche Services, die nicht wettbewerbsrelevant sind, können zur Refinanzierung auch anderen Versicherern angeboten werden. Die Digitalisierung bietet zusätzliche Chancen für Automatisierung und Vertrieb.

Als vierter Referent zeigte Prof. Dr. Thomas Hartung, Lehrstuhl für Versicherungswirtschaft der Universität der Bundeswehr in München, eine wissenschaftliche Perspektive auf „Fehlanreize im Asset Management durch Solvency II“. Die neuen Richtlinien sollen die Kapitalanlage von 9,8 Billionen EUR in Europa und davon 1,5 Billionen EUR in Deutschland steuern. Herr Prof. Hartung zeigte, dass die Solvenzkapitalanforderung nicht dem „wirklichen“ bzw. dem gewünschten Risiko entspricht. Kapitallebensversicherungen (ca. 60% aller Assets) können z.B. wirtschaftlich längerfristig planen als Sachversicherer, die kurzfristig große Liquidität benötigen. Kurzfristige Modelle mit oftmals 1 Jahr Horizont überschätzen Kapitalmarktrisiken, weil der Ausgleich über die Zeit nicht berücksichtigt wird. Die Diversifikationsberechnung über eine Normalverteilung ist zudem umstritten. Die kurzfristige Marktwertorientierung unterminiert außerdem Anreize zu illiquiden Anlagen in langfristige Assetklassen wie Aktien, Immobilien, Infrastruktur oder Verbriefungen.

Als letzter Referent des Tages gab Dr. Martin Lück, Chief Investment Strategist bei BlackRock, einen aktuellen Marktausblick. Erstmals seit der Finanzkrise ist ein weltweit synchrones Wachstum in den wichtigsten Wirtschaftsräumen zu beobachten, wenngleich auf einem niedrigen Wachstumspfad. Die Reflationierung setzt sich fort, allerdings steigt die Inflation in der Eurozone und in Japan kaum. Der technologische Fortschritt wirkt dämpfend. Aufgrund der Digitalisierung können Preise kaum erhöht werden, weil in vielen Branchen Druck auf die Unternehmen entsteht. BlackRock schätzt die Wirtschaftsentwicklung der G7-Länder und erwartet, dass die 12M-Konsensprognose der Analysten übertroffen wird. Die Zinsen werden strukturell niedrig bleiben, weswegen ein neuer Blick auf Bewertungen erforderlich ist. Vor diesem Hintergrund erscheinen Aktien relativ günstig. Die niedrige Volatilität ist kein Grund zur Sorge, weil in etwa 80% der Zeit die Volatilität niedrig ist. Gleichfalls steigt die Gefahr für politische Risiken.

Die 14. Jahrestagung des Münchner Finance Forum e.V. wird am 18. September 2018 im AudiMax der TU München stattfinden.

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